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23.08.2026 | 19:10 Uhr
T V
Interview
Berlin direkt – Sommerinterview
ZDF
Demokratiefeindlichkeit
Diskriminierung
Diskriminierung Behinderter
Einseitigkeit
Fake Interview
Falschmeldung
Hetze
Jugendgefährdung
Kriegstreiberei
Panikmache
persönliche Diffamierung
Propaganda
Rassismus
Schleichwerbung
selektive Berichterstattung
Sexismus
unsittliche Inhalte
Unwahrheit
Verharmlosung von Gräueltaten
Verletzung Persönlichkeitsrechte
Verschwendung
Wahlbeeinflussung
Werbemissbrauch
Zensur
Begründung und weitere Details:
Programmbeschwerde gegen „Berlin direkt – Sommerinterview“ vom 23.08.2026, 19:10 Uhr – Interview mit der AfD-Bundessprecherin Alice Weidel und Moderator, ZDF Journalist Wulf Schmiese Die Sendung vermittelt aus meiner Sicht nicht den Eindruck eines ausgewogenen politischen Interviews, sondern in weiten Teilen den eines konfrontativ geführten Verhörs. Besonders problematisch erscheint mir dabei die unterschiedliche Behandlung politischer Akteure, die Art und Weise, wie Frau Weidel bei ihren Antworten wiederholt unterbrochen wurde, sowie die unterschiedliche Bewertung politischer Herabsetzungen. Das ZDF selbst bezeichnet das Gespräch als Sommerinterview und führt als zentrale Themen unter anderem Migration, Automobilindustrie, Klimawandel und europäische Währungspolitik auf. 1. Journalistische Ausgewogenheit und Gleichbehandlung politischer Positionen Ein öffentlich-rechtlicher Sender hat nicht die Aufgabe, eine politische Partei sympathisch erscheinen zu lassen. Er hat aber ebenso wenig die Aufgabe, eine Partei oder deren Vertreter durch eine besondere Gesprächsführung in einem negativen Licht erscheinen zu lassen. Gerade bei einer Partei, die einen erheblichen Teil der deutschen Wählerschaft repräsentiert, ist eine besonders sorgfältige, sachliche und faire Gesprächsführung geboten. Mein Eindruck bei diesem Interview war jedoch, dass Frau Weidel mehrfach daran gehindert wurde, eine von ihr begonnene Argumentation vollständig auszuführen. Besonders auffällig war dies immer dann, wenn Frau Weidel über die konkrete Frage hinaus politische Zusammenhänge herstellen wollte. Sobald sie begann, ihre Position ausführlicher zu begründen und dabei die Politik der amtierenden Regierungsparteien zu kritisieren, wurde sie wiederholt unterbrochen beziehungsweise auf die nächste Frage gelenkt. Das ist nicht dasselbe wie eine kritische Nachfrage. Ein Journalist darf selbstverständlich nachhaken, widersprechen und Aussagen auf ihre Plausibilität überprüfen. Er darf jedoch nicht durch fortlaufende Unterbrechungen verhindern, dass eine politische Vertreterin ihre Position überhaupt vollständig erläutert. Kritischer Journalismus bedeutet Widerspruch – nicht Gesprächsverhinderung. 2. Der auffällige Umgang mit dem Begriff „Flachzangen“ Besonders befremdlich empfand ich die Passage, in der Moderator Wulf Schmiese Frau Weidel wegen ihrer Bezeichnung bestimmter Politiker als „Flachzangen“ zur Rede stellte. Das ZDF berichtet selbst über die Äußerung: „Ich will nicht mehr angelogen werden von irgendwelchen Flachzangen, die da oben sitzen.“ Die Äußerung wurde anschließend ausdrücklich thematisiert. Selbstverständlich kann ein Moderator darauf hinweisen, dass eine solche Ausdrucksweise respektlos ist. Was mich jedoch stört, ist die erkennbare Asymmetrie der Maßstäbe. Wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk die Bezeichnung „Flachzangen“ als Anlass nimmt, einer politischen Vertreterin mangelnden Respekt beziehungsweise unangemessene politische Kommunikation vorzuwerfen, muss die Frage erlaubt sein: Nach welchen einheitlichen Maßstäben beurteilt das ZDF eigentlich politische Beschimpfungen? Wie werden beispielsweise öffentlich geäußerte massive persönliche Beschimpfungen gegenüber Frau Weidel bewertet? Wo liegt die Grenze zwischen zulässiger politischer Kritik, Polemik und persönlicher Diffamierung? Ich vermisse hier eine erkennbare Gleichbehandlung unabhängig von der politischen Richtung des Betroffenen. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass abwertende Äußerungen gegen Politiker der AfD als politisch akzeptable oder sogar unterhaltsame Polemik behandelt werden, während bereits ein Ausdruck wie „Flachzangen“ gegenüber Politikern der etablierten Parteien zum Gegenstand einer moralischen Belehrung durch den Moderator gemacht wird. Ein öffentlich-rechtlicher Sender muss gerade bei solchen Fragen mit identischen Maßstäben arbeiten. 3. „Alice Merkel“ – politische Zuspitzung oder moralische Belehrung? Besonders irritierend empfand ich auch die Passage, in der Frau Weidel wegen der Bezeichnung „Alice Merkel“ beziehungsweise wegen des Vorwurfs einer entsprechenden politischen Nähe thematisiert wurde. Der Moderator stellte dies in einen Zusammenhang mit dem Vorwurf mangelnder Integrations- beziehungsweise Einigungsfähigkeit. Auch hier stellt sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit. Politische Parteien und ihre Spitzenpolitiker werden täglich mit Spitznamen, Etiketten und polemischen Zuschreibungen versehen. Wenn das ZDF eine solche Bezeichnung aufgreift, muss es nachvollziehbar machen, warum diese konkrete Äußerung journalistisch relevant ist und nicht lediglich dazu dient, die Gesprächspartnerin in eine defensive Position zu bringen. 4. Das Interview als Verhör statt als politisches Gespräch Der Gesamteindruck der Gesprächsführung war für mich besonders problematisch. Frau Weidel wurde wiederholt eine Frage gestellt, sie begann mit der Beantwortung und wurde dann unterbrochen oder auf einen anderen Aspekt gelenkt. Das führt dazu, dass der Zuschauer zwar zahlreiche Fragen hört, aber teilweise nicht die vollständige Antwort des Interviewpartners. Ein Interview darf selbstverständlich zugespitzt sein. Es darf unbequem sein. Es darf sogar hart geführt werden. Aber ein öffentlich-rechtliches Interview darf nicht zu einem Instrument werden, mit dem eine bestimmte politische Person möglichst häufig in Rechtfertigungsposition gebracht wird, während ihr die Möglichkeit genommen wird, ihre politischen Argumente zusammenhängend darzustellen. Gerade bei kontroversen politischen Themen ist es für die Meinungsbildung des Publikums entscheidend, nicht nur die Fragen des Journalisten, sondern auch die vollständigen Antworten des politischen Gesprächspartners hören zu können. Anderenfalls erhält der Zuschauer primär die journalistische Rahmung – und nicht die politische Position, die er selbst beurteilen soll. 5. Der Euro und der Vergleich mit anderen Währungen Besonders auffällig war für mich die Gesprächsführung bei der Frage der europäischen Währung. Wenn Frau Weidel die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands beziehungsweise die Konstruktion des Euro mit anderen Währungen und insbesondere dem Schweizer Franken vergleichen wollte, wurde diese Argumentation nach meinem Eindruck sehr schnell unterbrochen beziehungsweise nicht zugelassen. Das ist journalistisch höchst problematisch. Man kann eine These eines Politikers für falsch halten. Man kann sie anschließend mit Fakten widerlegen. Man kann nachfragen: „Warum ziehen Sie diesen Vergleich?“ Aber man sollte einem Interviewpartner nicht bereits die Möglichkeit nehmen, den von ihm selbst gewählten wirtschaftlichen Vergleich überhaupt zu erläutern. Gerade bei einer kontroversen wirtschaftspolitischen Position muss der Zuschauer die Möglichkeit erhalten, zunächst zu erfahren, wie die betreffende Partei ihre Position begründet. Erst dann kann der Journalist diese Argumentation sachlich überprüfen. 6. Unterschiedliche Darstellungen bei den Hitzetoten Ein weiterer Punkt betrifft die Darstellung der sogenannten Hitzetoten. Wenn öffentlich-rechtliche Sender beziehungsweise unterschiedliche Redaktionen bei der Zahl der Hitzetoten zu unterschiedlichen Angaben gelangen oder unterschiedliche Berechnungsmethoden verwenden, muss dies transparent erklärt werden. Gerade bei politisch hochsensiblen Themen darf eine Zahl nicht lediglich als vermeintlich unumstößliche Tatsache präsentiert werden, wenn deren Zustandekommen beziehungsweise statistische Definition erklärungsbedürftig ist. Das Publikum muss erkennen können: Welche Zahl wird genannt? Auf welcher Datenbasis beruht sie? Handelt es sich um tatsächlich registrierte Todesfälle oder um statistisch geschätzte beziehungsweise modellierte Fälle? Welche Definition wird zugrunde gelegt? Warum können unterschiedliche öffentlich-rechtliche Darstellungen zu unterschiedlichen Zahlen gelangen? Wenn solche Fragen nicht transparent behandelt werden, entsteht der Eindruck einer scheinbaren wissenschaftlichen Eindeutigkeit, die möglicherweise gar nicht vorhanden ist. Gerade bei einem politischen Interview muss ein öffentlich-rechtlicher Sender hier besonders sorgfältig arbeiten. Als Link anbei die Aussage des RKI zu den Hitzetoten 2026. Danach sind es "geschätzt" 11.900 gemäß dem RKI. In den meisten Fällen waren die als Hitzetote geschätzten Fälle Menschen im Alter von 85 Jahren und älter. 7. Das nachgeschaltete „Faktencheck“-Framing Besonders kritisch sehe ich außerdem, dass das ZDF unmittelbar zum Interview einen eigenen „Faktencheck“ veröffentlichte und darin die Aussagen der AfD-Vorsitzenden unter die Lupe nahm. Das ZDF selbst beschreibt diesen Beitrag ausdrücklich als „Faktencheck zu Alice Weidel im ZDF-Sommerinterview“. Ein Faktencheck ist selbstverständlich grundsätzlich legitim. Er darf aber nicht zu einer journalistischen Einordnung werden, bei der bereits durch Auswahl, Gewichtung und Formulierung der Eindruck entsteht: Hier ist die Politikerin – dort ist die Wahrheit des ZDF. Auch ein Faktencheck muss deshalb dieselben journalistischen Standards erfüllen wie jede andere Berichterstattung: vollständige Kontextualisierung, nachvollziehbare Quellen, faire Darstellung und Trennung zwischen überprüfbarer Tatsachenbehauptung und politischer Bewertung. 8. Meinungsvielfalt ist keine Gefälligkeit gegenüber der AfD Ich möchte ausdrücklich klarstellen: Diese Beschwerde richtet sich nicht gegen kritischen Journalismus. Ich erwarte von einem öffentlich-rechtlichen Sender ausdrücklich kritische Fragen. Ich erwarte auch, dass falsche Tatsachenbehauptungen korrigiert werden. Ich erwarte jedoch ebenso, dass alle politischen Parteien und Politiker nach denselben journalistischen Maßstäben behandelt werden. Die Aufgabe eines öffentlich-rechtlichen Senders besteht nicht darin, dem Zuschauer vorzugeben, welche politische Position er für richtig zu halten hat. Die Aufgabe besteht darin, dem Zuschauer die notwendigen Informationen zur Verfügung zu stellen, damit er sich selbst ein Urteil bilden kann. Genau deshalb halte ich die Gesprächsführung in diesem Interview für besonders problematisch. 9. Der Eindruck einer politischen Vorprägung Die Summe der genannten Punkte erzeugt bei mir den Eindruck einer politischen Vorprägung des Gesprächs: konfrontative Fragestellung, wiederholte Unterbrechungen, eingeschränkte Möglichkeit zur vollständigen Antwort, moralische Bewertung bestimmter Formulierungen, gleichzeitige Thematisierung politischer Diffamierungen gegen Frau Weidel ohne erkennbar vergleichbare Maßstäbe, und eine anschließende redaktionelle Einordnung der Aussagen durch einen ZDF-Faktencheck. Ein solcher Gesamteindruck ist für einen öffentlich-rechtlichen Sender nicht belanglos. Denn Framing entsteht nicht nur durch das gesprochene Wort. Framing kann ebenso durch Auswahl der Fragen, Reihenfolge, Unterbrechungen, Gesprächsführung, Bildregie, Gewichtung und nachfolgende Einordnung entstehen. Gerade deshalb muss sich das ZDF hier die Frage gefallen lassen, ob das Interview noch der gebotenen Unvoreingenommenheit, Ausgewogenheit und Meinungsvielfalt gerecht wurde. 10. Keine politische Wahlbeeinflussung durch öffentlich-rechtliche Gesprächsführung Besonders schwer wiegt dieser Punkt im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen. Das ZDF darf selbstverständlich über die AfD kritisch berichten. Es darf deren politische Forderungen hinterfragen. Es darf Fehler benennen. Es darf aber nicht den Eindruck erwecken, dass journalistische Gesprächsführung gezielt dazu eingesetzt wird, die öffentliche Wahrnehmung einer Partei beziehungsweise ihrer Spitzenkandidatin negativ zu beeinflussen. Das ZDF ist kein politischer Akteur. Es ist eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt. Gerade deshalb muss es bei der Behandlung politischer Parteien eine besondere Distanz zu allen politischen Lagern wahren. Wenn bei einem Zuschauer der Eindruck entsteht, dass ein Interview nicht mehr der Information, sondern der politischen Demontage eines Gesprächspartners dient, ist das ein ernstzunehmendes Problem für die Glaubwürdigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Meine konkreten Fragen an das ZDF Ich bitte daher um eine konkrete und nicht lediglich allgemein gehaltene Prüfung folgender Punkte: Wie beurteilt das ZDF die Gesprächsführung von Wulf Schmiese unter dem Gesichtspunkt der Ausgewogenheit und politischen Neutralität? Wie viele Male wurde Alice Weidel während des Interviews unterbrochen, und wie beurteilt das ZDF diese Unterbrechungen? Warum wurde Frau Weidel bei bestimmten Argumentationen nicht ermöglicht, ihre Position vollständig auszuführen? Nach welchen journalistischen Kriterien wurde die Bezeichnung „Flachzangen“ als Gegenstand einer ausführlichen Intervention des Moderators ausgewählt? Welche einheitlichen Maßstäbe legt das ZDF bei politischen Beschimpfungen und persönlichen Diffamierungen gegenüber Politikern unterschiedlicher Parteien an? Warum wurde der von Frau Weidel angesprochene Währungsvergleich mit anderen Währungen nicht vollständig erörtert? Auf welcher konkreten Datenbasis beruhen die im Zusammenhang mit dem Interview thematisierten Zahlen zu den Hitzetoten? Wie erklärt das ZDF gegebenenfalls unterschiedliche Zahlenangaben beziehungsweise unterschiedliche Berechnungsmethoden innerhalb öffentlich-rechtlicher Berichterstattung? Nach welchen Kriterien wurde der anschließende Faktencheck zusammengestellt? Wie stellt das ZDF sicher, dass ein solcher Faktencheck nicht selbst zu einer einseitigen politischen Einordnung wird? Welche konkreten Programmgrundsätze des ZDF wurden bei Vorbereitung, Durchführung und anschließender Einordnung des Interviews zugrunde gelegt? Wie gewährleistet das ZDF, dass gerade im Vorfeld von Wahlen durch die Gesprächsführung keine unzulässige politische Einflussnahme auf die Meinungsbildung erfolgt? Schlussbemerkung Ich halte es für geradezu gefährlich, wenn öffentlich-rechtlicher Journalismus seine Glaubwürdigkeit dadurch verspielt, dass Zuschauer den Eindruck gewinnen, politische Gegner würden mit unterschiedlichen Maßstäben behandelt. Es geht hierbei ausdrücklich nicht darum, Alice Weidel vor kritischen Fragen zu schützen. Es geht darum, ob das ZDF bereit ist, auch einer politischen Position, die viele Journalisten und Zuschauer ablehnen, denselben Anspruch auf faire journalistische Behandlung einzuräumen wie jeder anderen politischen Partei. Ein demokratischer Rundfunk muss Kritik aushalten. Ein demokratischer Rundfunk muss aber auch politische Positionen aushalten, die er selbst oder Teile seiner Journalisten für falsch halten. Die Aufgabe des Journalisten ist es, den Politiker zu befragen – nicht ihn politisch zu erziehen. Und die Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist es, den Bürger zu informieren – nicht ihm durch Gesprächsführung, Auswahl und Framing vorzugeben, wen er für glaubwürdig oder unglaubwürdig zu halten hat. Wenn das ZDF den Anspruch erhebt, ein glaubwürdiger, unabhängiger und der demokratischen Meinungsvielfalt verpflichteter öffentlich-rechtlicher Sender zu sein, muss es sich an diesen Maßstäben auch dann messen lassen, wenn der Gesprächspartner eine politische Partei vertritt, die innerhalb des etablierten politischen und medialen Spektrums besonders kontrovers bewertet wird. Ich bitte daher um eine inhaltlich konkrete Stellungnahme zu den oben genannten Punkten und – sofern die Voraussetzungen einer förmlichen Programmbeschwerde erfüllt sind – um Behandlung der Beschwerde im vorgesehenen Beschwerdeverfahren.
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