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08.09.2026 | 19:00 Uhr
O N L I N E
Tagesschau in einfacher Sprache
tagesschau24
Demokratiefeindlichkeit
Diskriminierung
Diskriminierung Behinderter
Einseitigkeit
Fake Interview
Falschmeldung
Hetze
Jugendgefährdung
Kriegstreiberei
Panikmache
persönliche Diffamierung
Propaganda
Rassismus
Schleichwerbung
selektive Berichterstattung
Sexismus
unsittliche Inhalte
Unwahrheit
Verharmlosung von Gräueltaten
Verletzung Persönlichkeitsrechte
Verschwendung
Wahlbeeinflussung
Werbemissbrauch
Zensur
Begründung und weitere Details:
Formelle Programmbeschwerde gegen die „tagesschau in Einfacher Sprache“ vom 07.09.2026 und die Wiederholung der Darstellung vom 08.09.2026 – problematische politische Einordnung der AfD und suggestive Verknüpfung von Aussagen Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit erhebe ich formelle Programmbeschwerde gegen die Ausgabe der „tagesschau in Einfacher Sprache“ vom 07. September 2026 sowie gegen die inhaltlich nahezu unverändert wiederholte Darstellung in der Ausgabe vom 08. September 2026. Meine Beschwerde richtet sich insbesondere gegen die Art und Weise, in der die AfD, ihre Wähler und ihre Positionen im Zusammenhang mit der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt dargestellt werden. Die inzwischen vorgenommene sprachliche Korrektur in der Ausgabe vom 08.09.2026 beseitigt den aus meiner Sicht wesentlichen journalistischen Problembereich allerdings nicht. Im Gegenteil: Die Wiederholung zeigt, dass die problematische argumentative und sprachliche Konstruktion von der Redaktion offenbar nicht grundsätzlich überprüft, sondern lediglich an einer einzelnen Stelle korrigiert wurde. 1. Die ursprüngliche Aussage vom 07.09.2026 In der Ausgabe vom 07.09.2026 wurde die AfD im Zusammenhang mit der Landtagswahl als „rechtsextreme Partei“ bezeichnet, ohne deutlich zu machen, dass es sich hierbei um eine Bewertung des Verfassungsschutzes Sachsen-Anhalt handelt. Die ARD hat diesen konkreten Fehler inzwischen selbst eingeräumt und die betreffende Ausgabe aus der Mediathek entfernt. Damit war zunächst zu begrüßen, dass die fehlende Einordnung korrigiert wurde. 2. Die „Korrektur“ vom 08.09.2026 In der Ausgabe vom 08.09.2026 wird der entsprechende Abschnitt nun wie folgt formuliert: „Der Verfassungsschutz sagt, die AfD in Sachsen-Anhalt ist rechtsextrem. Rechtsextreme sagen z. B., Ausländer sind weniger wert als Deutsche. Die AfD sagt, viele Ausländer sollen Deutschland verlassen.“ Damit ist zwar die Quelle der Einstufung „rechtsextrem“ nun ausdrücklich genannt. Das eigentliche journalistische Problem der Darstellung besteht jedoch weiterhin. Denn unmittelbar auf die Feststellung „Der Verfassungsschutz sagt, die AfD in Sachsen-Anhalt ist rechtsextrem.“ folgt: „Rechtsextreme sagen z. B., Ausländer sind weniger wert als Deutsche.“ und unmittelbar danach: „Die AfD sagt, viele Ausländer sollen Deutschland verlassen.“ 3. Die problematische gedankliche Verknüpfung Gerade in einer Nachrichtensendung in Einfacher Sprache ist die Reihenfolge dieser drei Sätze von erheblicher Bedeutung. Die Sendung stellt drei Aussagen unmittelbar nebeneinander: Verfassungsschutz → AfD ist rechtsextrem → Rechtsextreme sagen, Ausländer seien weniger wert → AfD sagt, viele Ausländer sollen Deutschland verlassen. Formal wird zwar nicht ausdrücklich gesagt, dass die AfD behaupte, Ausländer seien weniger wert. Durch die unmittelbare sprachliche und inhaltliche Aneinanderreihung wird jedoch genau diese gedankliche Verbindung nahegelegt. Das ist insbesondere bei einem Format problematisch, das gerade darauf ausgelegt ist, komplizierte politische Sachverhalte in kurzen, leicht verständlichen Sätzen zu vermitteln. Wer über umfangreiche politische Vorkenntnisse verfügt, kann zwischen den einzelnen Aussagen differenzieren. Wer die Sendung gerade deshalb nutzt, weil er der komplexen deutschen Nachrichtensprache noch nicht sicher folgen kann, hat diese Möglichkeit wesentlich weniger. Einfache Sprache muss Sachverhalte vereinfachen. Sie darf aber nicht durch die Vereinfachung neue, sachlich nicht belegte Zusammenhänge herstellen. 4. Was genau bedeutet „Rechtsextreme sagen …“? Die Redaktion müsste deshalb erklären, worauf die Aussage „Rechtsextreme sagen z. B., Ausländer sind weniger wert als Deutsche.“ konkret basiert. Handelt es sich um: eine konkrete Aussage eines AfD-Mitglieds? eine konkrete Aussage eines anderen Rechtsextremisten? eine offizielle Position der AfD? eine Einschätzung des Verfassungsschutzes? oder um eine allgemeine Beschreibung rechtsextremer Ideologie? Diese Unterscheidung ist entscheidend. Denn wenn es sich um eine allgemeine Beschreibung rechtsextremer Ideologie handelt, muss dies auch als solche kenntlich gemacht werden. Wenn die Aussage dagegen dazu dienen soll, die politische Position der AfD zu charakterisieren, muss die Redaktion einen konkreten und überprüfbaren Beleg dafür liefern. Andernfalls entsteht eine unzulässige Vermischung verschiedener Ebenen. 5. Noch problematischer ist der unmittelbar folgende Satz über die AfD Nach der Aussage über die angebliche Geringschätzung von Ausländern folgt: „Die AfD sagt, viele Ausländer sollen Deutschland verlassen.“ Auch diese Aussage ist in dieser Form außerordentlich pauschal. Welche Ausländer sind gemeint? Welche konkrete Forderung der AfD wird hier wiedergegeben? Geht es um illegal eingereiste Personen? Um abgelehnte Asylbewerber? Um ausreisepflichtige Personen? Um Straftäter? Um eine bestimmte politische Forderung nach Migration und Aufenthaltsrecht? Oder tatsächlich um eine pauschale Forderung, wonach „viele Ausländer“ Deutschland verlassen sollen? Eine Nachrichtensendung darf eine politische Position vereinfachen. Sie darf sie aber nicht so stark verkürzen, dass aus einer differenzierten politischen Forderung eine pauschale Aussage wird. 6. Das besondere Problem bei „Nachrichten in Einfacher Sprache“ Dieser Aspekt ist für meine Beschwerde zentral. Die „tagesschau in Einfacher Sprache“ richtet sich gerade auch an Menschen, die der üblichen Nachrichtensprache nicht ohne Weiteres folgen können. Damit trägt die Redaktion eine besondere Verantwortung. Wenn ein Zuschauer beispielsweise die drei Sätze „Der Verfassungsschutz sagt, die AfD in Sachsen-Anhalt ist rechtsextrem.“ „Rechtsextreme sagen z. B., Ausländer sind weniger wert als Deutsche.“ „Die AfD sagt, viele Ausländer sollen Deutschland verlassen.“ hört, wird er die Aussagen mit hoher Wahrscheinlichkeit als zusammengehörige Information über die AfD wahrnehmen. Genau deshalb muss eine solche Sendung bei politischen Themen noch sorgfältiger trennen zwischen Tatsache, Bewertung, Quelle und eigener journalistischer Einordnung. Eine Vereinfachung darf nicht dazu führen, dass die Trennlinien verschwimmen. 7. Wo bleibt die Erklärung des Wahlergebnisses? Hinzu kommt die zweite Ebene der Berichterstattung. In der Sendung wird erklärt, dass die AfD sehr viele Stimmen erhalten hat und dass andere Parteien deutlich weniger Stimmen bekamen. Zur CDU wird ausdrücklich erklärt: „Die CDU dagegen hat sehr viele Stimmen verloren, nur halb so viele Stimmen bekommen wie bei der letzten Wahl. Also die CDU ist der große Verlierer der Wahl.“ Das ist eine wichtige Information. Was jedoch weitgehend fehlt, ist die Erklärung der politischen Ursachen. Warum hat die CDU so viele Stimmen verloren? Warum haben andere Parteien so schlecht abgeschnitten? Warum haben so viele Wähler ihre Stimme der AfD gegeben? Wer lediglich die Ergebnisse mitteilt, aber wesentliche Ursachen und politische Zusammenhänge nicht erklärt, vermittelt zwar Zahlen – aber noch kein wirkliches Verständnis des Wahlergebnisses. Gerade eine Sendung in Einfacher Sprache sollte ihrem Publikum nicht nur sagen, was passiert ist, sondern die wesentlichen Zusammenhänge so erklären, dass sich die Zuschauer anschließend selbst ein Urteil bilden können. 8. Keine Behauptung einer bewussten Wahlempfehlung – aber eine problematische Wirkung Ich unterstelle der Redaktion ausdrücklich nicht, bewusst eine Wahlempfehlung zugunsten der CDU oder einer anderen Partei ausgesprochen zu haben. Eine solche Behauptung wäre ohne Kenntnis der redaktionellen Motive nicht belegbar. Zu prüfen ist jedoch die Wirkung der konkreten Darstellung. Durch die Kombination aus der Einstufung der AfD als rechtsextrem, der unmittelbar folgenden Aussage, Rechtsextreme hielten Ausländer für weniger wert, der anschließenden pauschalen Aussage über angebliche Forderungen der AfD gegenüber Ausländern, und dem weitgehenden Fehlen einer Erklärung für die Verluste der etablierten Parteien kann bei einem Zuschauer ein bestimmtes politisches Deutungsmuster entstehen. Gerade für Menschen mit ausländischer Herkunft oder noch begrenzten Deutschkenntnissen könnte die Botschaft verkürzt ankommen: AfD bedeutet Gefahr für Ausländer – andere Parteien, insbesondere die CDU, sind die sichere Alternative. Ob eine solche Wirkung beabsichtigt war, ist für die journalistische Prüfung nicht einmal entscheidend. Entscheidend ist, ob die Redaktion eine solche Wirkung durch eine ausgewogene und sachlich differenzierte Darstellung hätte vermeiden müssen. 9. Die Wiederholung am 08.09.2026 verschärft die Problematik Besonders relevant ist deshalb, dass die Redaktion die ursprüngliche Passage am folgenden Tag nicht vollständig neu konzipiert, sondern lediglich die fehlende Quellenangabe ergänzt hat. Aus „Die AfD in Sachsen-Anhalt ist rechtsextrem.“ wurde: „Der Verfassungsschutz sagt, die AfD in Sachsen-Anhalt ist rechtsextrem.“ Das ist zwar eine notwendige Korrektur. Die anschließende problematische Verknüpfung wurde jedoch beibehalten: „Rechtsextreme sagen z. B., Ausländer sind weniger wert als Deutsche.“ „Die AfD sagt, viele Ausländer sollen Deutschland verlassen.“ Damit stellt sich die entscheidende Frage: Hat die Redaktion tatsächlich nur einen formalen Fehler korrigiert – oder wurde die gesamte Passage journalistisch auf ihre Sachlichkeit, Trennschärfe und mögliche suggestive Wirkung geprüft? Wenn eine solche Prüfung stattgefunden hat, bitte ich um Erläuterung, weshalb die Passage in dieser Form erneut ausgestrahlt wurde. 10. Fragen an die Redaktion und den Rundfunkrat Ich bitte daher um eine konkrete Beantwortung folgender Fragen: Auf welcher konkreten Quelle basiert die Aussage „Rechtsextreme sagen z. B., Ausländer sind weniger wert als Deutsche“? Bezieht sich diese Aussage auf die AfD oder auf Rechtsextremismus allgemein? Falls sie sich auf die AfD bezieht: Welche konkrete Äußerung oder welches konkrete Parteiprogramm rechtfertigt diese Darstellung? Welche konkrete politische Forderung der AfD wird mit dem Satz „Viele Ausländer sollen Deutschland verlassen“ wiedergegeben? Warum wurde diese Forderung nicht näher differenziert? Wurde die gesamte Passage nach der Korrektur vom 07.09. auf ihre mögliche suggestive Wirkung geprüft? Welche journalistischen Kriterien gelten bei der Redaktion für die Vereinfachung politischer Sachverhalte? Wie stellt die Redaktion sicher, dass gerade Zuschauer mit eingeschränkten Deutschkenntnissen nicht durch die Vereinfachung politischer Informationen zu falschen Schlussfolgerungen gelangen? Warum wurden die Ursachen für den erheblichen Stimmenverlust der CDU und die Gründe für den Erfolg der AfD nicht in vergleichbarer Weise erläutert? Welche redaktionellen Gründe führten dazu, dass die Ausgabe vom 07.09.2026 aus der Mediathek entfernt wurde? Wurde die Ausgabe ausschließlich wegen der fehlenden Kennzeichnung der Verfassungsschutzbewertung entfernt oder bestanden darüber hinaus weitere redaktionelle Beanstandungen? Wird die Ausgabe vom 07.09.2026 in korrigierter Form wieder veröffentlicht bzw. wird die korrigierte Fassung dauerhaft dokumentiert? 11. Schlussbemerkung Gerade weil die ARD mit der „tagesschau in Einfacher Sprache“ ein wichtiges und gesellschaftlich sinnvolles Angebot macht, muss dort bei politisch kontroversen Themen ein besonders hoher Maßstab gelten. Einfache Sprache darf nicht zu einfacher politischer Wahrheit führen. Wer komplexe politische Sachverhalte für ein Publikum verständlich macht, muss besonders sauber zwischen Tatsache – Quelle – Bewertung – politischer Forderung – journalistischer Einordnung unterscheiden. Die Korrektur vom 08.09.2026 hat zwar einen konkreten Fehler behoben. Sie hat jedoch die aus meiner Sicht wesentlich problematischere inhaltliche Verknüpfung nicht beseitigt. Leider beschränkt sich die mögliche Wirkung solcher Darstellungen auch keineswegs auf Menschen, die die deutsche Sprache noch nicht sicher beherrschen oder aufgrund von Behinderungen Schwierigkeiten haben, herkömmlichen Nachrichtensendungen zu folgen. Die hier verwendeten Vereinfachungen und Verknüpfungen können vielmehr auch bei einem großen Teil der übrigen Bevölkerung politische Vorstellungen und Ängste prägen. Wenn man heute Menschen auf den Wahlerfolg der AfD anspricht, hört man als eines der ersten Argumente nicht selten: „Die wollen doch alle Ausländer abschieben – was wird dann aus unseren Kliniken, dem Pflegepersonal, den ausländischen Ärzten, den türkischen, griechischen oder italienischen Restaurants um die Ecke, den Handwerkern mit ausländischen Wurzeln?“ Nicht selten folgt daraus unmittelbar die Bewertung: „Das ist menschenverachtend.“ Gerade ältere Menschen reagieren angesichts eines solchen Wahlergebnisses teilweise sogar mit Angst und Panik. Hier stellt sich deshalb eine grundsätzliche journalistische Frage: Wie viel dieser Angst entsteht tatsächlich aus den politischen Programmen und konkreten Forderungen der AfD – und wie viel entsteht aus der Art und Weise, wie diese Partei und ihre politischen Positionen in Nachrichten dargestellt und gerahmt werden? Wenn komplexe politische Forderungen immer wieder auf die Formel „Die wollen die Ausländer abschieben“ reduziert werden, ohne zwischen unterschiedlichen Gruppen, Rechtslagen und konkreten politischen Forderungen zu unterscheiden, entsteht ein Bild, das mit der tatsächlichen politischen Positionierung einer Partei nicht zwingend übereinstimmen muss. Werden solche Verkürzungen dann auch noch in einer Nachrichtensendung in Einfacher Sprache verwendet, können sie sich besonders nachhaltig einprägen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss sich deshalb der Verantwortung bewusst sein, die mit wiederholtem "Framing" verbunden ist. Er darf politische Kontroversen nicht dadurch entscheiden helfen, dass er dem Publikum bereits durch Auswahl, Vereinfachung und sprachliche Verknüpfung vorgibt, wie eine Partei und ihre politischen Ziele zu bewerten sind. Wenn politische Positionen dabei verkürzt, aus dem Zusammenhang gerissen oder sachlich unzutreffend dargestellt werden, kann dies beim Publikum ein Bild erzeugen, das einer faktischen politischen Desinformation gleichkommt. Gerade deshalb ist bei der öffentlich-rechtlichen Nachrichtenberichterstattung höchste Sorgfalt geboten. Ich bitte daher um eine vollständige programmrechtliche und redaktionelle Prüfung der beanstandeten Passagen beider Sendungen und um eine substantiierte schriftliche Stellungnahme zu den oben genannten Fragen.
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